Digitalisierung von 16-mm- und Super-16-Film

Hier ist die Digitalisierung des Bildes beschrieben, nicht jene des eventuell zugehörigen Tons.

Wir berücksichtigen folgende Seitenverhältnisse:

  • 16-mm-Film: 1,333:1 = 4:3
  • Super-16-Film: 1,667:1 = 5:3

Super 16 war ein Drehformat, nicht ein Vorführformat: Die auf Super-16-Negativ gedrehten Filme wurden «aufgeblasen» und dann als 35-mm-Kopien vertrieben. Dieser Produktionsweg war in der Schweiz äusserst beliebt.

Inhalt


Grundsätzliches

  • Das Archiv sollte immer Dateiformate wählen, das es intern handhaben kann. Sollte dies nicht möglich sein, dann müsste das Archiv unbedingt die Dateien für die Konservierung einer anderen Institution oder einer spezialisierten Firma anvertrauen, sonst würde es nämlich riskieren, die ihm anvertrauten Kunstwerke und Dokumente zu verlieren.
  • Mindestens zwei Sicherheitskopien der Dateien auf LTO-Magnetband anlegen und in geografisch klar getrennten Standorten pflegen. Drei Sätze werden in der Regel empfohlen.

Archivformate für die digitale Konservierung

Empfohlenes 2K-Format: TIFF
Dateiformat: TIFF-Einzelbilder
Dateiendung: tiff oder tif
Auflösung: 2048 Pixel horizontal (2K)
Farbraum und Unterabtastung: RGB 4:4:4
Quantisierungsauflösung: 16 Bit
Dateigrösse:
  • 16-mm-Film (2048 x 1536): 1,70 TB/h
  • Super-16-Film (2048 x 1230): 1,36 TB/h
Empfohlenes «HD»-Format: TIFF
Dateiformat: TIFF-Einzelbilder
Dateiendung: tiff oder tif
Auflösung: 1080 Pixel vertikal (HD)
Farbraum und Unterabtastung: RGB 4:4:4
Quantisierungsauflösung: 16 Bit
Dateigrösse:
  • 16-mm-Film (1440 x 1080 Pixel): 0,63 TB/h
  • Super-16-Film (1800 x 1080 Pixel): 0,79 TB/h
Toleriertes 2K-Format: DPX
Dateiformat: DPX-Einzelbilder
Dateiendung: dpx
Auflösung: 2048 Pixel horizontal (2K)
Farbraum und Unterabtastung: R′G′B′ 4:4:4
Quantisierungsauflösung: 16, 12 oder 10 Bit
Dateigrösse:
  • 16-mm-Film (2048 x 1536): 1,13 TB/h
  • Super-16-Film (2048 x 1230): 0,91 TB/h
Toleriertes «HD»-Format: DPX
Dateiformat: DPX-Einzelbilder
Dateiendung: dpx
Auflösung: 1080 Pixel vertikal (HD)
Farbraum und Unterabtastung: R′G′B′ 4:4:4
Quantisierungsauflösung: 16, 12 oder 10 Bit
Dateigrösse:
  • 16-mm-Film (1440 x 1080 Pixel): 0,44 TB/h
  • Super-16-Film (1800 x 1080 Pixel): 0,55 TB/h

Bemerkungen

  • In der Regel können die «Rohdaten» des Bildsensors mit den Einstellungen des Scanners nur schwer dokumentiert werden, folglich können sie leider kaum konserviert werden.
  • Einen Folder für jede Filmrolle anlegen.
  • Die MD5- oder SHA-Hashwerte für jedes Einzelbild berechnen und in einer Datei pro Rolle zusammenfassen.
  • Für qualitativ hochstehende und inhaltlich wichtige Filme kann die Digitalisierung mit 4096 Pixel horizontal (4K) gemäss der Diskussion für 35-mm-Filmen erwogen werden. Dies könnte zum Beispiel gelegentlich für Super-16-Kamera-Negative sinnvoll sein.
  • Die Bildauflösung 1440 x 1080 Pixel für 16-mm- bzw. 1800 x 1080 Pixel für Super-16-Film kann sowohl ins HD-Format, das für die Austrahlung am Fernsehen verwendet wird, als auch ins 2K-DCP, das für die Projektion im Kinosaal verwendet wird, reingestellt werden. Damit bleibt das gesamte HD-Bild des analogen «Originals» in der digitalen «Kopie» erhalten, während das 2K-Bild selbstverständlich skaliert werden muss.
  • OpenEXR oder DNG könnten für die Archivierung interessante Einzelbild-Formate darstellen.

Mezzanine-Formate für die professionelle Bearbeitung

Sogenannte Mezzanine-Formate dienen der professionellen Postproduktion, weil sie leichter zu verarbeiten sind als die Archivformate. Sie können allerdings nicht für eine professionelle Restaurierung eingesetzt werden, weil sie komprimiert sind, und dafür soll unbedingt auf die Archivformate zurückgegriffen werden.

Mezzanine-Dateien können im HD-Format erstellt werden, das heisst mit einer Auflösung von 1920 x 1080 Pixel pillarbox, also mit beidseitig horizontale schwarze Balken. Dieses kann sowohl für die Kinovorführung als auch für die Ausstrahlung am Fernsehen und/oder die Sichtung am Bildschirm bestens bearbeitet werden.

Das Archiv sollte in der Lage sein, zum Beispiel mittels FFmpeg, das auf jedem Computer läuft, aus dem gewählten Archivformat die benötigten Mezzanine-Formate zu erzeugen.

Empfohlen: Apple ProRes 4444 und 4444 XQ
Dieses proprietäre Dateiformat von Apple ist für Final Cut zugeschnitten, kann aber auch auf Media Composer der Konkurrenz eingesetzt werden.
Empfohlen: Avid DNxHD 365x und 444
Dieses proprietäre Dateiformat wurde von Avid für Media Composer definiert.
Toleriert: Apple ProRes 422 HQ
Dieses proprietäre Dateiformat von Apple ist für Final Cut zugeschnitten, kann aber auch auf Media Composer der Konkurrenz eingesetzt werden.
Toleriert: Avid DNxHD 175x
Dieses proprietäre Dateiformat wurde von Avid für Media Composer definiert.

Bemerkungen

  • Obwohl sowohl ProRes wie auch Avid proprietäre Formate sind, bilden sie den heutigen de-facto-Standard der Postproduktion. Deshalb sollte sich das Archiv auch mit ihnen auseinandersetzen.
  • Apple unterstützt ihr eigenes Containerformat QuickTime unter Windows nicht mehr und wird vermutlich bald auch die Unterstützung unter macOS aufgeben. Damit entsteht fürs Archiv ein grösseres Problem, weil doch ProRes oft das Entstehungsformat von modernen Filmen ist. Es könnte gelöst werden, indem während der nächsten Datenmigration die Dateien in den Matroska-Container umgewandelt werden.

Formate für die Projektion auf die Leinwand

Die Dateien müssen mit der richtigen Vorführgeschwindigkeit kodiert werden. Amateurfilme wurden nämlich oft mit 16 oder 18 Bilder pro Sekunde aufgenommen, nicht mit 24. Und Stummfilme wurden in der Regel mit 16 bis 25 Bilder pro Sekunde aufgenommen, nicht fix mit 24 oder 25.

Das Archiv sollte in der Lage sein, zum Beispiel mittels FFmpeg, das auf jedem Computer läuft, aus den gewählten Archiv- oder Mezzanine-Formate die benötigten Formate für die Projektion zu erzeugen.

Empfohlenes 2K-Format: 2K-DCP
Für die Vorführung in einem Kinosaal ist das DCP das heute gängige Format. Ein 2K-DCP kann zum Beispiel mittels DCP-o-matic auf jedem Computer hergestellt werden und dann in jedem Kino vorgeführt werden. (Und für die eventuelle, vorausgehende Formatkonversion kann man zum Beispiel FFmpeg benützen.)
Dies sind die Werte fürs Reinstellen ins 2K-DCP flat:
  • 16-mm-Film: 1440 x 1080 Pixel mit links und rechts je einen 279 Pixel breiten Balken
  • Super-16-Film: 1800 x 1080 Pixel mit links und rechts je einen 99 Pixel breiten Balken
Empfohlenes HD-Format: MP4/H.264
Eine lossy (= visually lossless) komprimierte MP4/H.264-Datei mit einer Auflösung von 1920 x 1080 Pixel pillarbox erstellen. Das kann man zum Beispiel mittels FFmpeg machen. Die erstellte Datei kann dann von jedem Computer mittels eines gängigen Players und eines HD-Beamers vorgeführt werden: Man benötigt dafür keinen professionellen digitalen Kinoprojektor.
Dies sind die Werte fürs Reinstellen ins HD-Format:
  • 16-mm-Film: 1440 x 1080 Pixel mit links und rechts je einen 240 Pixel breiten Balken
  • Super-16-Film: 1800 x 1080 Pixel mit links und rechts je einen 60 Pixel breiten Balken

Bemerkungen

  • Das 2K-DCP in der Variante flat stellt 1998 x 1080 Pixel zur Verfügung und sollte auch in Kinos mit einer älteren Einrichtung einwandfrei vorgeführt werden können. Das hat zur Folge, dass ein im 2K-DCP reingestelltes Bild mit Seitenverhältnis 4:3 nur noch die Auflösung 1440 x 1080 Pixel hat. Somit ist die Fläche nur noch die Hälfte jener eines Stummfilms (was ist die schlechteste Flächennutzung darstellt), das 2048 Pixel horizontal aufweist. Das ist übrigens genau dieselbe nutzbare Auflösung wie jene des ins HD-Format reingestellten Bildes.
  • Jeder moderne Kinoprojektor sollte auch MP4/H.264 korrekt projizieren können.

Formate für die Sichtung am Bildschirm

Wir empfehlen, das HD-Format pillarbox für den gesamten Filmbestand zu wählen, weil man damit auf jedem gängigen Computer oder Fernseher die Dateien korrekt sichten kann. Somit wird die Nutzung im Alltag stark vereinfacht.

Die Dateien müssen mit der richtigen Vorführgeschwindigkeit kodiert werden. Zum einen wurden Amateurfilme oft mit 16 oder 18 Bilder pro Sekunde aufgenommen, nicht mit 24; zum anderen wurden Stummfilme in der Regel mit 16 bis 25 Bilder pro Sekunde aufgenommen, nicht fix mit 24 oder 25.

Das Archiv sollte in der Lage sein, zum Beispiel mittels FFmpeg, das auf jedem Computer läuft, aus den gewählten Archiv- oder Mezzanine-Formate die benötigten Formate für die Sichtung zu erzeugen.

Empfohlenes HD-Format: MP4/H.264
Eine lossy (= visually lossless) komprimierte MP4/H.264-Datei mit einer Auflösung von 1920 x 1080 Pixel pillarbox erstellen:
  • 16-mm-Film: 1440 x 1080 Pixel mit links und rechts je einen 240 Pixel breiten Balken
  • Super-16-Film: 1800 x 1080 Pixel mit links und rechts je einen 60 Pixel breiten Balken
Für 16-mm-Film toleriertes SD-Format: MP4/H.264
Eine lossy (= visually lossless) komprimierte MP4/H.264-Datei mit einer Auflösung von 768 x 576 Pixel erstellen.

Formate fürs Streaming im Internet

Die Dateien müssen mit der richtigen Vorführgeschwindigkeit kodiert werden. Zum einen wurden Amateurfilme oft mit 16 oder 18 Bilder pro Sekunde aufgenommen, nicht mit 24; zum anderen wurden Stummfilme in der Regel mit 16 bis 25 Bilder pro Sekunde aufgenommen, nicht fix mit 24 oder 25.

Das Archiv sollte in der Lage sein, zum Beispiel mittels FFmpeg, das auf jedem Computer läuft, aus den gewählten Archiv- oder Mezzanine-Formate die die benötigten Formate fürs Streaming zu erzeugen.

Empfohlenes «HVGA»-Format: MP4/H.264
Eine lossy (= visually lossless) komprimierte H.264-Datei in einem MP4-Container mit folgender Auflösung:
  • 16-mm-Film: 480 x 360 Pixel
  • Super-16-Film: 600 x 360 Pixel
Toleriertes «VGA»-Format: MP4/H.264
Eine lossy (= visually lossless) komprimierte H.264-Datei in einem MP4-Container mit folgender Auflösung:
  • 16-mm-Film: 640 x 480 Pixel
  • Super-16-Film: 800 x 480 Pixel
Toleriertes «QVGA»-Format: MP4/H.264
Eine lossy (= visually lossless) komprimierte H.264-Datei in einem MP4-Container mit folgender Auflösung:
  • 16-mm-Film: 320 x 240 Pixel
  • Super-16-Film: 400 x 240 Pixel

Bibliografie


2018–06–23