Digitalisierung von 35-mm-Film

Hier ist die Digitalisierung des Bildes beschrieben, nicht jene des eventuell zugehörigen Tons.

Wir beschränken unsere Diskussion auf folgende Seitenverhältnisse, die in der Schweiz am häufigsten vorkommen:

  • Stummfilm: 1,333:1 = 4:3 [= 32:24]
  • Tonfilm Academy: 1,375:1 = 11:8 [= 33:24]
  • Tonfilm Breitleinwand: 1,667:1 = 5:3 [= 40:24]

Die Zahlen weiterer Seitenverhältnissen können leicht mittels Dreisätzen berechnet werden.

Inhalt


Grundsätzliches

  • Das Archiv sollte immer Dateiformate wählen, das es intern handhaben kann. Sollte dies nicht möglich sein, dann müsste das Archiv unbedingt die Dateien für die Konservierung einer anderen Institution oder einer spezialisierten Firma anvertrauen, sonst würde es nämlich riskieren, die ihm anvertrauten Kunstwerke und Dokumente zu verlieren.
  • Mindestens zwei Sicherheitskopien der Dateien auf LTO-Magnetband anlegen und in geografisch klar getrennte Räumlichkeiten pflegen. Drei Sätze werde in der Regen empfohlen.

Archivformate für die digitale Konservierung

Empfohlenes 4K-Format: TIFF
Dateiformat: TIFF-Einzelbilder
Dateiendung: tiff oder tif
Auflösung: 4096 Pixel horizontal (4K)
Farbraum und Unterabtastung: RGB 4:4:4
Quantisierungsauflösung: 16 Bit
Dateigrösse:
  • Stummfilm (4096 x 3072 Pixel): 6,79 TB/h
  • Academy (4096 x 2980 Pixel): 6,59 TB/h
  • Breitleinwand (4096 x 2460 Pixel): 5,44 TB/h
Empfohlenes 2K-Format: TIFF
Dateiformat: TIFF-Einzelbilder
Dateiendung: tiff oder tif
Auflösung: 2048 Pixel horizontal (2K)
Farbraum und Unterabtastung: RGB 4:4:4
Quantisierungsauflösung: 16 Bit
Dateigrösse:
  • Stummfilm (2048 x 1536 Pixel): 1,70 TB/h
  • Academy (2048 x 1490 Pixel): 1,65 TB/h
  • Breitleinwand (2048 x 1230 Pixel): 1,36 TB/h
Empfohlenes 4K-Format: DPX
Dateiformat: DPX-Einzelbilder
Dateiendung: dpx
Auflösung: 4096 Pixel horizontal (4K)
Farbraum und Unterabtastung: R′G′B′ 4:4:4
Quantisierungsauflösung: 16 Bit
Dateigrösse:
  • Stummfilm (4096 x 3072 Pixel): 6,79 TB/h
  • Academy (4096 x 2980 Pixel): 6,59 TB/h
  • Breitleinwand (4096 x 2460 Pixel): 5,44 TB/h
Empfohlenes 2K-Format: DPX
Dateiformat: DPX-Einzelbilder
Dateiendung: dpx
Auflösung: 2048 Pixel horizontal (2K)
Farbraum und Unterabtastung: R′G′B′ 4:4:4
Quantisierungsauflösung: 16 Bit
Dateigrösse:
  • Stummfilm (2048 x 1536 Pixel): 1,79 TB/h
  • Academy (2048 x 1490 Pixel): 1,65 TB
  • Breitleinwand (2048 x 1230 Pixel): 1,36 TB/h
Toleriertes 4K-Format: DPX
Dateiformat: DPX-Einzelbilder
Dateiendung: dpx
Auflösung: 4096 Pixel horizontal (4K)
Farbraum und Unterabtastung: R′G′B′ 4:4:4
Quantisierungsauflösung: 12 oder 10 Bit
Dateigrösse (für 10 bit):
  • Stummfilm (4096 x 3072 Pixel): 4,53 TB/h
  • Academy (4096 x 2980 Pixel): 4,39 TB/h
  • Breitleinwand (4096 x 2460 Pixel): 3,63 TB/h
Toleriertes 2K-Format: DPX
Dateiformat: DPX-Einzelbilder
Dateiendung: dpx
Auflösung: 2048 Pixel horizontal (2K)
Farbraum und Unterabtastung: R′G′B′ 4:4:4
Quantisierungsauflösung: 12 oder 10 Bit
Dateigrösse (für 10 bit):
  • Stummfilm (2048 x 1536 Pixel): 1,13 TB/h
  • Academy (2048 x 1490 Pixel): 1,10 TB
  • Breitleinwand (2048 x 1230 Pixel): 0,91 TB/h

Bemerkungen

  • In der Regel können die «Rohdaten» des Bildsensors mit den Einstellungen des Scanners nur schwer dokumentiert werden, folglich können sie leider kaum konserviert werden.
  • Einen Folder für jede Filmrolle anlegen.
  • Die MD5- oder SHA-Hashwerte für jedes Einzelbild berechnen und in einer Datei pro Rolle zusammenfassen.
  • Für qualitativ hochstehende und inhaltlich wichtige Filme kann die Digitalisierung mit 6144 Pixel horizontal (6K) oder sogar mit 8192 Pixel horizontal (8K) erwogen werden. Dies könnte zum Beispiel gelegentlich für Kamera-Negative sinnvoll sein.
  • OpenEXR ist ein für die Archivierung interessantes Einzelbild-Formate.
  • DNG könnte ein für die Archivierung interessantes Einzelbild-Format darstellen.

Mezzanine-Formate für die professionelle Bearbeitung

Sogenannte Mezzanine-Formate dienen der professionellen Postproduktion, weil sie leichter zu verarbeiten sind als die Archivformate. Sie können allerdings nicht für eine professionelle Restaurierung eingesetzt werden, weil sie komprimiert sind, und dafür soll unbedingt auf die Archivformate zurückgegriffen werden.

Mezzanine-Dateien können im HD-Format erstellt werden, das heisst mit einer Auflösung von 1920 x 1080 Pixel pillarbox, also mit beidseitig horizontale schwarze Balken. Dieses kann sowohl für die Kinovorführung als auch für die Ausstrahlung am Fernsehen und/oder die Sichtung am Bildschirm bestens bearbeitet werden.

Das Archiv sollte in der Lage sein, zum Beispiel mittels FFmpeg, das auf jedem Computer läuft, aus dem gewählten Archivformat die benötigten Mezzanine-Formate zu erzeugen.

Empfohlen: Apple ProRes 4444 und 4444 XQ
Dieses proprietäre Dateiformat von Apple ist für Final Cut zugeschnitten, kann aber auch auf Media Composer der Konkurrenz eingesetzt werden.
Empfohlen: Avid DNxHR 444 und HQX
Dieses proprietäre Dateiformat wurde von Avid für Media Composer definiert.
Toleriert: Apple ProRes 422 HQ
Dieses proprietäre Dateiformat von Apple ist für Final Cut zugeschnitten, kann aber auch auf Media Composer der Konkurrenz eingesetzt werden.
Toleriert: Avid DNxHD 175x
Dieses proprietäre Dateiformat wurde von Avid für Media Composer definiert.

Bemerkungen

  • Obwohl sowohl ProRes wie auch Avid proprietäre Formate sind, bilden sie den heutigen de-facto-Standard der Postproduktion. Deshalb sollte sich das Archiv auch mit ihnen auseinandersetzen.
  • Apple unterstützt ihr eigenes Containerformat QuickTime unter Windows nicht mehr und wird vermutlich bald auch die Unterstützung unter macOS aufgeben. Damit entsteht fürs Archiv ein grösseres Problem, weil doch ProRes oft das Entstehungsformat von modernen Filmen ist. Es könnte gelöst werden, indem während der nächsten Datenmigration die Dateien in den Matroska-Container umgewandelt werden.

Formate für die Projektion auf die Leinwand

Die Dateien müssen mit der richtigen Vorführgeschwindigkeit kodiert werden. Stummfilme wurden nämlich in der Regel mit 16 bis 25 Bilder pro Sekunde aufgenommen, nicht fix mit 24 oder 25.

Das Archiv sollte in der Lage sein, zum Beispiel mittels FFmpeg, das auf jedem Computer läuft, aus den gewählten Archiv- oder Mezzanine-Formate die die benötigten Formate für die Projektion zu erzeugen.

Empfohlenes 4K-Fromat: 4K-DCP
Ein 4K-DCP kann zum Beispiel mittels DCP-o-matic auf jedem Computer hergestellt werden und dann in den für die 4K-Projektion ausgerüsteten Kino vorgeführt werden. Dafür wird natürlich eine Digitalisierung mit einer Auflösung von 4K vorausgesetzt!
Dies sind die Werte fürs Reinstellen ins 4K-DCP flat:
  • Stummfilm: 2880 x 2160 Pixel mit links und rechts je einen 558 Pixel breiten Balken
  • Academy: 2960 x 2160 Pixel mit links und rechts je einen 513 Pixel breiten Balken
  • Breitleinwand: 3600 x 2160 Pixel mit links und rechts je einen 198 Pixel breiten Balken
Empfohlenes 2K-Format: 2K-DCP
Ein 2K-DCP kann zum Beispiel mittels DCP-o-matic auf jedem Computer hergestellt werden und dann in jedem Kino vorgeführt werden. Und für die eventuelle, vorausgehende Formatkonversion kann man zum Beispiel FFmpeg benützen.
Dies sind die Werte fürs Reinstellen ins 2K-DCP flat:
  • Stummfilm: 1440 x 1080 Pixel mit links und rechts je einen 279 Pixel breiten Balken
  • Academy: 1480 x 1080 Pixel mit links und rechts je einen 257 Pixel breiten Balken
  • Breitleinwand: 1800 x 1080 Pixel mit links und rechts je einen 99 Pixel breiten Balken
Empfohlenes HD-Format: MP4/H.264
Eine lossy (= visually lossless) komprimierte MP4/H.264-Datei mit einer Auflösung von 1920 x 1080 Pixel pillarbox erstellen. Das kann man zum Beispiel mittels FFmpeg machen. Die erstellte Datei kann dann von jedem Computer mittels eines gängigen Players und eines HD-Beamers vorgeführt werden: Man benötigt dafür kein professioneller digitaler Kinoprojektor.
Dies sind die Werte fürs Reinstellen ins HD-Format:
  • Stummfilm: 1440 x 1080 Pixel mit links und rechts je einen 240 Pixel breiten Balken
  • Academy: 1480 x 1080 Pixel mit links und rechts je einen 218 Pixel breiten Balken
  • Breitleinwand: 1800 x 1080 Pixel mit links und rechts je einen 60 Pixel breiten Balken

Bemerkungen

  • Das 4K-DCP in der Variante flat stellt 3996 x 2160 Pixel zur Verfügung. Das hat zur Folge, dass ein im 4K-DCP reingestelltes Bild mit Seitenverhältnis 4:3 nur noch die Auflösung 2880 x 2160 Pixel hat. Somit ist die Fläche nur noch die Hälfte jener eines Stummfilms (was ist die schlechteste Flächennutzung darstellt), das mit 4096 Pixel horizontal digitalisiert wurde. Das ist übrigens genau dieselbe nutzbare Auflösung wie jene des ins UHD-1-Format reingestellten Bildes.
  • Das 2K-DCP in der Variante flat stellt 1998 x 1080 Pixel zur Verfügung und sollte auch in Kinos mit einer älteren Einrichtung einwandfrei vorgeführt werden können. Das hat zur Folge, dass ein im 2K-DCP reingestelltes Bild mit Seitenverhältnis 4:3 nur noch die Auflösung 1440 x 1080 Pixel hat. Somit ist die Fläche nur noch die Hälfte jener eines Stummfilms (was ist die schlechteste Flächennutzung darstellt), das 2048 Pixel horizontal aufweist. Das ist übrigens genau dieselbe nutzbare Auflösung wie jene des ins HD-Format reingestellten Bildes.
  • Jeder moderne Kinoprojektor sollte auch MP4/H.264 korrekt projizieren können.

Formate für die Sichtung am Bildschirm

Wir empfehlen, das HD-Format pillarbox für den gesamten Filmbestand zu wählen, weil man damit auf jedem gängigen Computer oder Fernseher die Dateien korrekt sichten kann. Somit wird die Nutzung im Alltag stark vereinfacht.

Die Dateien müssen mit der richtigen Vorführgeschwindigkeit kodiert werden. Stummfilme wurden nämlich in der Regel mit 16 bis 25 Bilder pro Sekunde aufgenommen, nicht fix mit 24 oder 25.

Das Archiv sollte in der Lage sein, zum Beispiel mittels FFmpeg, das auf jedem Computer läuft, aus den gewählten Archiv- oder Mezzanine-Formate die benötigten Formate für die Sichtung zu erzeugen.

Empfohlenes HD-Format: MP4/H.264
Eine lossy (= visually lossless) komprimierte MP4/H.264-Datei mit einer Auflösung von 1920 x 1080 Pixel pillarbox erstellen.
Dies sind die Werte fürs Reinstellen ins HD-Format:
  • Stummfilm: 1440 x 1080 Pixel mit links und rechts je einen 240 Pixel breiten Balken
  • Academy: 1480 x 1080 Pixel mit links und rechts je einen 218 Pixel breiten Balken
  • Breitleinwand: 1800 x 1080 Pixel mit links und rechts je einen 60 Pixel breiten Balken
Toleriertes UHD-1Format: MP4/H.264
Eine lossy (= visually lossless) komprimierte MP4/H.264-Datei mit einer Auflösung von 3840 x 2160 Pixel pillarbox erstellen.
Dies sind die Werte fürs Reinstellen ins UHD-1-Format:
  • Stummfilm: 2880 x 2160 Pixel mit links und rechts je einen 480 Pixel breiten Balken
  • Academy: 2970 x 2160 Pixel mit links und rechts je einen 435 Pixel breiten Balken
  • Breitleinwand: 3600 x 2160 Pixel mit links und rechts je einen 120 Pixel breiten Balken
Für Stummfilm, und eventuell Academy, toleriertes SD-Format: MP4/H.264
Eine lossy (= visually lossless) komprimierte MP4/H.264-Datei mit einer Auflösung von 768 x 576 Pixel erstellen.

Formate fürs Streaming im Internet

Die Dateien müssen mit der richtigen Vorführgeschwindigkeit kodiert werden. Stummfilme wurden nämlich in der Regel mit 16 bis 25 Bilder pro Sekunde aufgenommen, nicht fix mit 24 oder 25.

Das Archiv sollte in der Lage sein, zum Beispiel mittels FFmpeg, das auf jedem Computer läuft, aus den gewählten Archiv- oder Mezzanine-Formate die die benötigten Formate fürs Streaming zu erzeugen.

Empfohlenes «HVGA»-Format: MP4/H.264
Eine lossy (= visually lossless) komprimierte H.264-Datei in einem MP4-Container mit folgender Auflösung:
  • Stummfilm: 480 x 360 Pixel
  • Academy: 495 x 360 Pixel
  • Breitleinwand: 600 x 360 Pixel
Toleriertes «VGA»-Format: MP4/H.264
Eine lossy (= visually lossless) komprimierte H.264-Datei in einem MP4-Container mit folgender Auflösung:
  • Stummfilm: 640 x 480 Pixel
  • Academy: 660 x 480 Pixel
  • Breitleinwand: 800 x 480 Pixel
Toleriertes «QVGA»-Format: MP4/H.264
Eine lossy (= visually lossless) komprimierte H.264-Datei in einem MP4-Container mit folgender Auflösung:
  • Stummfilm: 320 x 240 Pixel
  • Academy: 330 x 240 Pixel
  • Breitleinwand: 400 x 240 Pixel

Bibliografie


2018–06–23