Digitalisierung von 9,5-mm-, 8-mm- und Super-8-Film

Hier wird die Digitalisierung des Bildes beschrieben, nicht jene des eventuell zugehörigen Tons.

Wir beschränken unsere Diskussion auf das Seitenverhältnis von 1,333:1 = 4:3, das die meisten Schmalfilme ungefähr aufweisen. Die Zahlen für weitere Seitenverhältnisse können leicht mittels Dreisätzen berechnet werden.

Inhalt


Grundsätzliches

  • Das Archiv sollte immer Dateiformate wählen, das es intern handhaben kann. Sollte dies nicht möglich sein, dann müsste das Archiv unbedingt die Dateien für die Konservierung einer anderen Institution oder einer spezialisierten Firma anvertrauen, sonst würde es nämlich riskieren, die ihm anvertrauten Kunstwerke und Dokumente zu verlieren.
  • Mindestens zwei Sicherheitskopien der Dateien auf LTO-Magnetband anlegen und in geografisch klar getrennten Standorten pflegen. Drei Sätze werden in der Regel empfohlen.

Archivformate für die digitale Konservierung

Empfohlenes «HD»-Format
Dateiformat: Matroska-, MP4-, MOV- oder AVI-Container
Dateiendung: mkv, mp4, mov bzw. avi
Auflösung: 1440 x 1080 Pixel (kann ins HD-Format reingestellt werden)
Farbmodell und Unterabtastung: Y′CBCR 4:4:4 gemäss Rec. 709
Quantisierungsauflösung: 10 Bit
Dateigrösse: 373 GB/h
Toleriertes HD-Format
Dateiformat: Matroska-, MP4-, MOV- oder AVI-Container
Dateiendung: mkv, mp4, mov bzw. avi
Auflösung: 1920 x 1080 Pixel pillarbox (nutzbare Auflösung von 1440 x 1080 Pixel mit rechts und links je einen 240 Pixel breiten schwarzen Balken)
Farbmodell und Unterabtastung: Y′CBCR 4:2:2 gemäss Rec. 709
Quantisierungsauflösung: 10 Bit
Dateigrösse: 498 GB/h

Bemerkungen

  • In der Regel können die «Rohdaten» des Bildsensors mit den Einstellungen des Scanners nur schwer dokumentiert werden, folglich können sie leider kaum konserviert werden.
  • Eine nicht komprimierte Datei für jede Filmrolle anlegen.
  • Die MD5- oder SHA-Hashwerte sowohl für jedes Einzelbild als auch für die ganze Datei berechnen.
  • Für qualitativ hochstehende und inhaltlich wichtige Filme im 9,5-mm-Format kann die Digitalisierung gemäss der Diskussion für 16-mm-Filmen erwogen werden, die eine leicht grössere Bildfläche aufweisen.
  • Die Bildauflösung 1440 x 1080 Pixel kann sowohl ins HD-Format, das für die Austrahlung am Fernsehen verwendet wird, als auch ins 2K-DCP, das für die Projektion im Kinosaal verwendet wird, reingestellt werden. Damit bleibt das gesamte Bild des analogen «Originals» in der digitalen «Kopie» erhalten. Wir empfehlen grundsätzlich diese Bildauflösung für das Archivformat zu verwenden, um nicht unnötigerweise schwarze Balken zu speichern.
  • Man sollte strikte genommen Y′CBCR schreiben, aber oft wird in der Videowelt die Schreibweise Y′CbCr benützt. Und Y′UV ist zwar etwas anderes, aber in der Computerwelt wird oft YUV für Y′CBCR verwendet.

Mezzanine-Formate für die professionelle Bearbeitung

Sogenannte Mezzanine-Formate dienen der professionellen Postproduktion, weil sie leichter zu verarbeiten sind als die Archivformate. Sie können allerdings nicht für eine professionelle Restaurierung eingesetzt werden, weil sie komprimiert sind, und dafür soll unbedingt auf die Archivformate zurückgegriffen werden.

Mezzanine-Dateien können im HD-Format erstellt werden, das heisst mit einer Auflösung von 1920 x 1080 Pixel pillarbox, also 1440 x 1080 Pixel mit links und rechts je einen 240 Pixel breiten Balken. Dieses kann sowohl für die Kinovorführung als auch für die Ausstrahlung am Fernsehen und/oder die Sichtung am Bildschirm bestens bearbeitet werden.

Das Archiv sollte in der Lage sein, zum Beispiel mittels FFmpeg, das auf jedem Computer läuft, aus dem gewählten Archivformat die benötigten Mezzanine-Formate zu erzeugen.

Empfohlen: Apple ProRes 422 HQ
Dieses proprietäre Dateiformat von Apple ist für Final Cut zugeschnitten, kann aber auch auf Media Composer der Konkurrenz eingesetzt werden.
Empfohlen: Avid DNxHD 175x
Dieses proprietäre Dateiformat wurde von Avid für Media Composer definiert.

Bemerkungen

  • Obwohl sowohl ProRes wie auch Avid proprietäre Formate sind, bilden sie den heutigen de-facto-Standard der Postproduktion. Deshalb sollte sich das Archiv auch mit ihnen auseinandersetzen.
  • Apple unterstützt ihr eigenes Containerformat QuickTime unter Windows nicht mehr und wird vermutlich bald auch die Unterstützung unter macOS aufgeben. Damit entsteht fürs Archiv ein grösseres Problem, weil doch ProRes oft das Entstehungsformat von modernen Filmen ist. Es könnte gelöst werden, indem während der nächsten Datenmigration die Dateien in den Matroska-Container umgewandelt werden.

Formate für die Projektion auf die Leinwand

Die Dateien müssen mit der richtigen Vorführgeschwindigkeit kodiert werden. Amateurfilme wurden nämlich oft mit 16 oder 18 Bilder pro Sekunde aufgenommen, nicht mit 24.

Das Archiv sollte in der Lage sein, zum Beispiel mittels FFmpeg, das auf jedem Computer läuft, aus den gewählten Archiv- oder Mezzanine-Formate die die benötigten Formate für die Projektion zu erzeugen.

Empfohlenes 2K-Format: 2K-DCP
Für die Vorführung in einem Kinosaal ist das DCP das heute gängige Format. Ein 2K-DCP kann zum Beispiel mittels DCP-o-matic auf jedem Computer hergestellt werden und dann in jedem Kino vorgeführt werden. (Und für die eventuelle, vorausgehende Formatkonversion kann man zum Beispiel FFmpeg benützen.)
Empfohlenes HD-Format: MP4/H.264
Eine lossy (= visually lossless) komprimierte MP4/H.264-Datei mit einer Auflösung von 1920 x 1080 Pixel pillarbox erstellen. Das kann man zum Beispiel mittels FFmpeg machen. Die erstellte Datei kann dann von jedem Computer mittels eines gängigen Players und eines HD-Beamers vorgeführt werden: Man benötigt dafür keinen professionellen digitalen Kinoprojektor.

Bemerkungen

  • Das 2K-DCP in der Variante flat stellt 1998 x 1080 Pixel zur Verfügung und sollte auch in Kinos mit einer älteren Einrichtung einwandfrei vorgeführt werden können. Das hat zur Folge, dass ein im 2K-DCP reingestelltes Bild mit Seitenverhältnis 4:3 eine Auflösung von 1440 x 1080 Pixel mit links und rechts je einen 279 Pixel breiten Balken hat. Das ist übrigens genau dieselbe nutzbare Auflösung wie jene des ins HD-Format reingestellten Bildes, wo der Balken links und rechts je einen 240 Pixel breit ist.
  • Jeder moderne Kinoprojektor sollte auch MP4/H.264 korrekt projizieren können.

Formate für die Sichtung am Bildschirm

Wir empfehlen, das HD-Format pillarbox für den gesamten Filmbestand zu wählen, weil man damit auf jedem gängigen Computer oder Fernseher die Dateien korrekt sichten kann. Somit wird die Nutzung im Alltag stark vereinfacht.

Die Dateien müssen mit der richtigen Vorführgeschwindigkeit kodiert werden. Amateurfilme wurden nämlich oft mit 16 oder 18 Bilder pro Sekunde aufgenommen, nicht mit 24.

Das Archiv sollte in der Lage sein, zum Beispiel mittels FFmpeg, das auf jedem Computer läuft, aus den gewählten Archiv- oder Mezzanine-Formate die benötigten Formate für die Sichtung zu erzeugen.

Empfohlenes HD-Format: MP4/H.264
Eine lossy (= visually lossless) komprimierte MP4/H.264-Datei mit einer Auflösung von 1440 x 1080 Pixel mit links und rechts je einen 240 Pixel breiten Balken erstellen.
Toleriertes SD-Format: MP4/H.264
Eine lossy (= visually lossless) komprimierte MP4/H.264-Datei mit einer Auflösung von 768 x 576 Pixel erstellen.

Formate fürs Streaming im Internet

Die Dateien müssen mit der richtigen Vorführgeschwindigkeit kodiert werden. Amateurfilme wurden nämlich oft mit 16 oder 18 Bilder pro Sekunde aufgenommen, nicht mit 24.

Das Archiv sollte in der Lage sein, zum Beispiel mittels FFmpeg, das auf jedem Computer läuft, aus den gewählten Archiv- oder Mezzanine-Formate das benötigten Formate fürs Streaming zu erzeugen.

Empfohlenes «HVGA»-Format: MP4/H.264
Eine «visually lossless» komprimierte H.264-Datei in einem MP4-Container mit einer Auflösung von 480 x 360 Pixel.
Toleriertes VGA-Format: MP4/H.264
Eine «visually lossless» komprimierte H.264-Datei in einem MP4-Container mit einer Auflösung von 640 x 480 Pixel.
Toleriertes QVGA-Format: MP4/H.264
Eine «visually lossless» komprimierte H.264-Datei in einem MP4-Container mit einer Auflösung von 320 x 240 Pixel.

Bibliografie


2018–06–23