Digitalisierung von Video8 und Hi8

Video8 wurde 1984 und dessen Erweiterung Hi8 1989 für den Verbrauchermarkt eingeführt. Hi8 wurde bis in den ersten 2000er verwendet. Es ist ein merkwürdig hybrides Format, in dem Bild und Ton analog aufgezeichnet wurden, aber die Möglichkeit, den Ton auch digital aufzuzeichnen, bereits bestand. Die analoge Formate der 8-mm-Videofamilie wurden von Digital8 abgelöst.

Analoge Videoformate werden heute nicht mehr benützt. Die Digitalisierung von nicht digitalisierten Kassetten sollte deshalb umgehend geplant werden. Wir bieten diese Dienstleistung nicht an, können aber das Atelier für Videokonservierung empfehlen.

Inhalt


Grundsätzliches

  • Das Archiv sollte immer Dateiformate wählen, das es intern handhaben kann. Sollte dies nicht möglich sein, dann müsste das Archiv unbedingt die Dateien für die Konservierung einer anderen Institution oder einer spezialisierten Firma anvertrauen, sonst würde es nämlich riskieren, die ihm anvertrauten Kunstwerke und Dokumente zu verlieren.
  • Mindestens zwei Sicherheitskopien der Dateien auf LTO-Magnetband anlegen, in geografisch klar getrennten Standorten (mindestens mehrere Kilometer voneinander entfernt) bei konstanter Temperatur und Feuchte (höchstens 20 °C und 50% rF) lagern und pflegen. Drei Sätze werden in der Regel empfohlen.

Archivformat

Empfohlen
Dateiformat: Matroska-, MP4-, MOV- oder AVI-Container
Dateinamen-Erweiterung: mkv, mp4, mov bzw. avi
Auflösung: 768 x 576 Pixel für PAL bzw. 640 x 480 Pixel für NTSC
Farbmodell und Unterabtastung: Y′CBCR 4:2:2 gemäss Rec. 709 (oder eventuell Rec. 601)
Quantisierungsauflösung: 10 bit
Dateigrösse: 100 GB/h für PAL bzw. 70 GB/h für NTSC unkomprimiert (ja nach Bildinhalt zwischen ein und zwei Drittel des Volumens mit verlustfreier FFV1-Komprimierung)

Bemerkungen

  • Eine nicht komprimierte Video-Datei oder eine Video-Datei mit verlustfreier Komprimierung für jede Kassette anlegen.
  • Die MD5- oder SHA-Hashwerte für jedes Einzelbild berechnen und in einer Datei pro Kassette zusammenfassen.
  • Da das vorgeschlagene Archivformat auf jeden modernen Computer in Echtzeit abgespielt werden kann, erübrigen sich «Mezzanine»-Formate für die professionelle Bearbeitung.
  • Man sollte strikte genommen Y′CBCR schreiben, aber oft wird in der Videowelt die Schreibweise Y′CbCr benützt. Und Y′UV ist zwar etwas anderes, aber in der Computerwelt wird oft YUV für Y′CBCR verwendet.

Bibliografie

  • Reto Kromer: On Audio-Visual File Formats, 2015–04–24
  • Memoriav Empfehlungen Video. Die Erhaltung von Videodokumenten, Memoriav, Bern 2006 [PDF, 1.8 MB]
  • Videotape Identification and Assessment Guide, Texas Commission on the Arts, Austin TX 2004 [PDF, 12.4 MB]

2018–07–20