Linear Tape-Open (LTO)

LTO ist die beste heute bekannte Möglichkeit, grosse Datenmengen auf Magnetband zu sichern. Grosse Nachteile des LTO-Systems sind aber die absolut absurde eingebaute Obsoleszenz, was dem Archiv stark schadet und unnötige Spesen verursacht, und das nicht standardisierte Format, mit dem die Daten auf das Band geschrieben werden, ausser wenn reines TAR verwendet wurde.

Eine deutliche Verbesserung brachte das in der Generation 5 eingeführte, offene LTFS (Linear Tape File System), dessen Versionen allerdings nicht immer miteinander kompatibel ist.

Mit der Generation 8 wurde leider das Versprechen von eine Rückwärts-Kompatibilität über zwei Generationen gebrochen: Die Geräte der Generation 8 können LTO-6-Kassetten nicht lesen! Zudem gib es ein zusätzliches, nicht kanonisches Format LTO-7 Type M (kurz M8), das Kassetten der Generation 7 verwendet, sie aber wie die Generation 8 formatiert, was fürs Archiv ebenfalls eine negative Entwicklung darstellt. Die M8-Kassetten können nämlich weder von den Geräten der Generation 7, noch von den Geräten den Generation 9 gelesen werden, sondern einzig von den Geräten der Generation 8. Wir raten deshalb davon ab, M8 im Archiv zu verwenden.

Die Geräte der Generation 9 sind im September 2021 auf den Markt gekommen. Sie können auch LTO-8-Kassetten lesen, nicht aber LTO-7-Kassetten. Das ist bloss geplante Obsoleszenz, die sich auf keiner technischen Grundlage stützt. Zudem werden die LTO-9-Lesegeräte einzig von IBM hergestellt und die LTO-9-Kassetten einzig von Fujifilm und Sony, was nicht mehr der ursprünglich versprochenen Vielfalt entspricht.

Bemerkungen

  • Wir arbeiten zurzeit an einer Sammlung von Bash-Scripts zur Handhabung von mit LTFS formatierten LTO-Kassetten. Diese sollte universeller einsetzbar sein, als die von AMIA Open Source entwickelte Bibliothek LTOpers.
  • Eine Migration kann auch dazu benützt werden, Metadaten zu ergänzen und korrigieren und um obsolete Dateiformate in aktuellen umzuwandeln. Sie ermöglicht es also, das Archiv zu pflegen.
  • Eine Migration der Daten ist ab Generation 5 mit LTFS nicht nötig, solange Geräte der verwendeten Generation noch auf dem Markt sind und gewartet werden.

Empfehlungen

  • Wir empfehlen entweder nur die geraden oder nur die ungeraden Generationen zu berücksichtigen, aber nicht beide, um nicht unnötigerweise migrieren zu müssen, was fürs Archiv erhebliche Kosten ohne zusätzlichen Nutzen mit sich bringen würde.

    Ungerade Generationen

    • Anschaffung von LTO-9-Laufwerken planen.
    • Neue Sicherungen noch auf LTO-7 realisieren, aber sobald wie möglich auf LTO-9 wechseln.
    • Mit der Migration von der Generation 7 auf die Generation 9 noch zuwarten, bis die Preise der Gerätschaften und der Bänder auf ein fürs Archiv vertretbares Niveau gesunken sein werden. Das wird vermutlich erst dann geschehen, wenn die Generation 10 auf den Markt kommen wird, oder kurze Zeit davor.
    • Die Migration der noch vorhandenen Bändern der Generation 5 sollten geplant werden.
    • Noch vorhandene Bänder der Generationen 3 und 1 sollten dringend migriert werden, besonders weil diese nicht mit LTFS formatiert worden sind.

    Gerade Generationen

    • Neue Sicherungen auf LTO-8 realisieren.
    • Da der Preis der LTO-8-Laufwerke und der dazugehörigen LTO-8-Bänder mit der Einführung der Generation 9 stark gesunken ist, die Migration von der Generation 6 auf die Generation 8 jetzt tätigen.
    • Noch vorhandene Bänder der Generationen 4 und 2 sollten dringend auf die Generation 8 migriert werden, besonders weil diese nicht mit LTFS formatiert worden sind.

     

  • Wir empfehlen in der Regel audiovisuellen Archiven das LTFS ohne Kompression zu verwenden, weil bei komprimierten Formaten die Dateigrösse meistens steigt und immer die Berechnungszeit dazu kommt.

2021-09-11